Dr. Ben Xia, Executive Vice President von Interroll in Asien.
Dr. Ben Xia, Executive Vice President von Interroll in Asien.

Seit vielen Jahren richtet sich der Blick vieler Branchen auf das Reich der Mitte. Dies gilt auch für die Unternehmen der Intralogistik. Welche Trends bestimmen den chinesischen Markt? Wie gestaltet sich der Wettbewerb in Fernost? moving hat bei einem Experten nachgefragt. Ein Gespräch mit Dr. Ben Xia, der für das China-Geschäft von Interroll verantwortlich ist. 

Ben, wie verläuft die aktuelle Wirtschaftsentwicklung in China?

Sehr dynamisch. Die Prognosen für das Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsproduktes im Jahre 2017 belaufen sich auf knapp 7 Prozent, wie auch die prozentuale Steigerung der industriellen Produktion. Auch die mittel- und längerfristigen Aussichten dieser Volkswirtschaft, die knapp 1,4 Milliarden Menschen umfasst, sind sehr günstig. Es wird sogar erwartet, dass China die USA in gut zehn Jahren als grösste Wirtschaftsnation der Erde ablösen wird. Dieser Wachstumsmarkt bietet leistungsstarken Unternehmen weiterhin grosse Chancen.

Gilt dies auch für die Logistikbranche?

Absolut. Ein eindrückliches Beispiel ist unser eigenes Unternehmen. Seit wir uns vor fünfzehn Jahren entschlossen haben, in China tätig zu werden, konnten wir den Beitrag Chinas und Asiens zum wirtschaftlichen Erfolg der Interroll-Gruppe kontinuierlich ausbauen. In den letzten vier Jahren sind wir in China durchschnittlich um knapp 23 Prozent gewachsen, also deutlich schneller als der Markt.

E-Commerce treibt chinesische Wirtschaft an 

Welches ist der wichtigste Treiber für die chinesische Materialflussbranche?

Wie in vielen anderen Ländern ist dies der florierende E-Commerce. In China nimmt dieser Trend allerdings sowohl beim Umfang wie bei seiner Dynamik wirklich gigantische Dimensionen an. 2016 wurden hier schon umgerechnet 366 Milliarden US-Dollar umgesetzt, soviel wie in den USA und Grossbritannien zusammen. Die Chinesen lieben das Online-Shopping. In den Metropolen haben bereits rund 80 Prozent der Erwachsenen einmal online eingekauft. Kein Wunder also, dass etwa allein die chinesische Online-Handelsplattform Alibaba in den nächsten fünf Jahren rund 15 Milliarden US-Dollar in ihre Logistik investieren dürfte.

Wird dieser Boom anhalten?

Ja, davon kann man ausgehen. Die Dynamik ist einfach unglaublich hoch. So wurden etwa 2017 beim sogenannten „Alibaba-Double- 11-Festival“, einer 24-stündigen, landesweiten Rabattaktion, bereits kurz nach 13 Uhr die Bestellumsätze der Vorjahresaktion übertroffen. Insgesamt wurden bei dieser Aktion fast 1,4 Milliarden Pakete in China verschickt. Und die logistische Verarbeitungsgeschwindigkeit war beeindruckend: Bestellungen die kurz nach Mitternacht eingingen, wurden um halb sechs versandt und erreichten bereits um 16 Uhr den Verbraucher.

Intralogistik ist zu einem strategisch wichtigen Markt geworden

Und wie gestaltet sich der Wettbewerb innerhalb der Branche?

Bevor ich zu Interroll kam, habe ich jahrelang für Vanderlande in China gearbeitet. Der Einstieg von Konzernen wie Toyota oder Honeywell in das Materialflussgeschäft zeigt vor allem, dass die Intralogistik zu einem aussichtsreichen und strategisch wichtigen Markt geworden ist, den nun auch branchenfremde Unternehmen für sich entdecken. In China sind alle wichtigen Anbieter vertreten, der Wettbewerb bei Grossprojekten ist entsprechend hart. Dies bietet weltweit agierenden Partnern wie Interroll, die Qualitätsprodukte auf Plattformbasis herstellen und sich über SAP mit ihren Kunden vernetzen können, sehr gute Möglichkeiten. Gleichzeitig darf man aber nicht übersehen, dass rund 80 Prozent des Marktvolumens durch kleine oder mittelständische Systemintegratoren bedient werden. Diese Kunden sind für Interroll sehr wichtig und es gilt, sie durch Expertise und kompetenten Support zu unterstützen.

Wie reagieren die Anwender auf die zunehmende Bedeutung der Intralogistik für ihr Geschäft?

Sie machen das, was auch für andere geschäftskritische Infrastrukturen gilt: Sie bauen internes Know-how auf, um mit externen Anbietern auf Augenhöhe agieren zu können. Dies ist eine sehr spannende Entwicklung, die neue Anforderungen an die Systemintegratoren, aber auch an die Hersteller stellt. Im chinesischen Markt ist ja bekanntlich alles möglich (lacht). Es ist wirklich ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das sollte allen Pessimisten Mut machen. Allerdings ist in China nichts wirklich einfach. Und das kann natürlich allzu grosse Optimisten wieder schnell auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

Abonnieren Sie die Interroll Blog News

Diesen Artikel teilen


Kommentar schreiben