Wie jeder andere Sektor erlebt auch der Einzelhandel alle möglichen Trends und Modeerscheinungen. Die einen verschwinden schnell wieder, die anderen setzen sich dauerhaft durch – so z. B. beim Onlinehandel. Angeführt wird diese Entwicklung von den USA mit ihren High-Tech-Riesen und kreativen Start-ups. Viele der neuen Onlinedienste und Technologien, die aus diesem dynamischen Markt hervorgegangen sind, wirken sich bereits deutlich auf das weltweite Konsumverhalten aus – von der Bewertung von Produkten und Dienstleistungen bis hin zu deren Bezahlung. moving stellt einige Trends vor, die unsere bisherigen Gewohnheiten auf den Kopf stellen.  

Seien wir doch mal ehrlich: Viele von uns kaufen lieber im Internet ein als im Geschäft. Wenn es aber um Kleidung, Schuhe oder andere Dinge geht, die wir am Körper tragen, besteht das Risiko, dass das Bestellte nicht passt oder nicht gefällt und deshalb zurückgeschickt werden muss. Dafür gibt es inzwischen eine virtuelle Lösung: Die sogenannte Augmented Reality (AR) ist eine Technologie, bei der die Realitätswahrnehmung computergestützt erweitert wird, damit wir uns Dinge besser vorstellen können. So bietet beispielsweise Hersteller Converse eine Sampler-App, mit der Kunden die Schuhe von zu Hause aus „anprobieren“ können, indem sie ihre Füsse mit der Kamera ihres Smartphones aufnehmen. Mit der App lässt sich ein Abbild verschiedener Schuhe über das Kamerabild legen, und die Kunden können sehen, wie ihnen das Modell steht. Juniper Research geht davon aus, dass der AR-Apps-Markt voraussichtlich von 515 Millionen Dollar im Jahr 2016 auf 5,7 Milliarden Dollar im Jahr 2021 wachsen wird.

Eng verwandt mit der Augmented Reality ist die Virtual Reality (VR). Hier wird die reale Welt komplett durch eine virtuelle Umgebung ersetzt. Dabei tragen die Benutzer im Allgemeinen eine VR-Brille, mit der die reale Welt ausgeblendet wird. Die Bau-marktkette Lowe bietet ihren Kunden mit der App Holoroom die Möglichkeit, ihre Traumküche oder ihr Traumbad einzurichten und mithilfe von VR-Brillen wie Oculus Rift oder Google Cardboard virtuell zu betreten.  

Wo wir gerade von Lowe sprechen: Einige seiner Filialen hat das Unternehmen mit Servicerobotern ausgestattet, die sich durch die Gänge bewegen, um Fragen von Kunden zu beantworten und den Bestand zu überwachen. Der LoweBot erkennt über einen 3D-Scanner, wenn ein Kunde das Geschäft betritt. Dank künstlicher Intelligenz und Spracherkennung kann er auf Fragen und Befehle antworten wie ein Mensch – mit Text- oder Sprachnachrichten bzw. einer Kombination aus beiden. Wenn Kunden etwas Bestimmtes suchen, können Sie den Roboter danach fragen oder den gesuchten Artikel per Touchscreen eingeben. Der Chatbot führt sie dann mithilfe von Lasersensoren, die denen in autonomen Fahrzeugen ähneln, zum gewünschten Artikel. 

Auf die Sparte des Einzelhandels zugeschnittene Apps können das Kauferlebnis verbessern. Pioniere des Onlinehandels, wie Groupon und LivingSocial, machen es vor. Beide bieten Verbrauchern, ob diese nun fremd in der Stadt sind oder einfach etwas Neues ausprobieren wollen, die Möglichkeit, über ihre mobilen Geräte Restaurants, Aktivitäten, Mode, Wellnessangebote und Dienstleistungen zu entdecken.  

Während soziale Netzwerke früher nur dazu dienten, Nutzer auf Onlineshops aufmerksam zu machen, lassen sie sich heute auch als Verkaufsplattformen nutzen. Im News Feed von Facebook beispielsweise enthalten Werbeanzeigen den Button „Jetzt einkaufen“. Benutzer, die vorher noch nichts von einem Anbieter gekauft haben, müssen keine Zahlungsdaten mehr eingeben, wenn sie diese bereits bei Facebook hinterlegt haben. Also: Kaufen per Mausklick.

Die Millennials in den USA wollen zunehmend wissen, wofür sie ihr Geld eigentlich ausgeben, und tendieren daher immer stärker zu Einzelhändlern, die ihre gesamten internen Abläufe offenlegen. Ein Beispiel: Das Modelabel Everlane schlüsselt die gesamten Produktionskosten seiner Erzeugnisse genau auf – von Material und Verarbeitung bis hin zu Zöllen und Preisaufschlag. An diesem Trend zeigt sich, dass Verbraucher verstärkt auf Nachhaltigkeit achten und Kaufentscheidungen unter ethischen Gesichtspunkten treffen.

 Hinter der Verschmelzung dieser beiden Bereiche steht folgender Gedanke: Einzelhändler können leichter Kunden gewinnen, wenn sie in ihren Filialen ein besonderes Erlebnis bieten, z. B. mit Cafés oder Livemusik. Seit den Anfängen von Einkaufszentren in den späten Sechzigerjahren spielte Entertainment bisher kaum eine Rolle – abgesehen von wenigen Ausnahmen, wie der Mall of America in Minnesota. Das ändert sich jetzt aber rasant. In der Grapevine Mills Mall in Dallas z. B. wurden ein 3700 m² grosses LEGOLAND Discovery Center und ein 900 m² grosser Minigolfplatz aus Legosteinen eröffnet. Entertainment im Einzelhandel beschränkt sich aber nicht nur auf Einkaufszentren. So will die amerikanische Brauerei Stone Brewing nächstes Jahr das erste Hotel eröffnen, bei dem sich alles um das Thema Bier dreht. Zum Konzept gehören eigens gebraute Biersorten, drei Bars und Bierlieferungen direkt in jedes der 99 Zimmer.  

Die Lieferung am Tag der Bestellung ist inzwischen mehr als eine nette Option. In städtischen Zentren, in denen alles so schnell wie möglich gehen soll, wird sie zunehmend zur Voraussetzung. Deutlich wird das an den rund 65 Millionen Mitgliedern von Amazon Prime. Technologie-Start-ups, wie Bringg und Deliv, haben auf diese Nachfrage reagiert. Bei Bringg können die Kunden ihre Lieferung in Echtzeit verfolgen, und die Verkäufer können Bestellungen über das Internet versenden und abwickeln. Die Zusteller können direkt mit den Kunden und Verkäufern Kontakt aufnehmen. Wie bei den Mitfahrdiensten Uber und Lyft sehen die Kunden, wo sich ihr Fahrzeug gerade befindet bzw. wann es ankommt. Deliv setzt ebenfalls auf das Fahrmodell. Für die Zustellungen in der Stadt können Unternehmen auf ein Team von Fahrern zurückgreifen. 

Der Internetriese ist immer für eine Überraschung gut. Jüngstes Beispiel: der Versand von frischen Lebensmitteln. Mit der Übernahme der Lebensmittelkette Whole Foods steigt Amazon neben dem Onlinegeschäft nun auch in den stationären Einzelhandel ein. Dank der vorhandenen Filialen kommt das Unternehmen einen Schritt näher an das Ziel, online bestellte Waren innerhalb weniger Stunden auszuliefern. Dazu kommt noch die richtungsweisende Forschung im Bereich intelligenter Geräte. Vor Kurzem hat Amazon die vernetzte Kamera Echo Look vorgestellt. Diese ist mit der beliebten Alexa-App ausgestattet und wird per Sprachbefehl gesteuert. Auch ein Stylingberater ist integriert: Echo Look stellt Outfits zusammen und bewertet diese anhand von Algorithmen, die mit Unterstützung von Modeexperten entwickelt wurden. Das Gerät funktioniert wie eine Art intelligenter Spiegel: Benutzer können Ganzkörperfotos oder kurze Videos von sich aufnehmen und ihr Outfit aus einem ganz neuen Blickwinkel betrachten. Damit kommt Amazon seiner Vision vom vernetzten, sprachgesteuerten Zuhause wieder ein Stück näher – dass Verbraucher ihre Wünsche nur noch aussprechen müssen, und schon wird die Ware geliefert und das Geld vom Konto abgebucht. So einfach kann Einkaufen sein. 

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