Axel Kruse, Betriebsdirektor bei der Sauber Motorsport AG, auf dem ersten Rolling On Interroll Summit in 2017.
Axel Kruse, Betriebsdirektor bei der Sauber Motorsport AG, auf dem ersten Rolling On Interroll Summit in 2017.

Für ein Millionenpublikum rund um den Globus sind die Piloten die umjubelten Helden des Formel 1-Rennsports. Doch hinter den Kulissen liefern sich Entwickler, Designer und Produktionsexperten einen unerbittlichen Wettkampf um Präzision und die entscheidenden Zehntelsekunden. Ein Blick auf die Marktstrategie der High-Tech-Fabrik des Alfa Romeo Sauber F1 Teams im schweizerischen Hinwil.

„Wir sind mit rund 360 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein mittelständisches Produktionsunternehmen und befinden uns wie unzählige andere Betriebe auf der Welt mit grossen Konzernen im Wettbewerb“, erzählt Axel Kruse, der seit 2005 Betriebsdirektor bei der Sauber Motorsport AG im beschaulichen Hinwil im Zürcher Oberland ist. „Gleichzeitig sind wir ein High-Tech-Unternehmen, dessen Innovationszyklen extrem schnell verlaufen. Der Produktlebenszyklus unserer Fahrzeuge liegt bei gerade einmal acht Monaten, bei Serienmodellen wie etwa dem VW Golf liegt die Zeit bei rund sechs Jahren. Ausserdem müssen wir nicht nur jede Saison einen neuen Rennwagen auf die Strecke bringen, sondern auch bei jedem der aktuell 21 Einzelrennen unser Produkt für die jeweiligen Streckenbedingungen optimieren.“

Sauber ist damit gleichsam eine Blaupause für eine Zukunft, in der die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen nicht mehr allein von Innovationen, sondern von deren schneller und präziser Umsetzung abhängt. 

Sauber Motorsport AG: Starke Partnerschaften, starke Kernkompetenzen

Um in diesem harten Innovationswettlauf zu bestehen, ist es gerade für kleinere Unternehmen wichtig, sich auf starke Partner verlassen und gleichzeitig ihre Kernkompetenzen ausspielen zu können. Wie dies funktioniert, hat die Sauber Motorsport AG wieder einmal Ende 2017 gezeigt. Durch die kommerzielle und technische Kooperation mit Fiat Chrysler konnten die Schweizer Rennsport-Ingenieure nicht nur die traditionsreiche Marke Alfa Romeo als Titelsponsor gewinnen, sondern sich auch den Zugriff auf die aktuelle Entwicklungsstufe des Formel 1-Motors von Ferrari sichern. 

Mit der Verwendung einer der leistungsstärksten Technologien bei Antrieb und Getriebe für den neuen Alfa Romeo Sauber-Boliden schufen die Schweizer die Grundlage, um die eigenen Stärken auf der Rennstrecke optimal ausspielen zu können. Allerdings liegt die Stärke eines Partners für Sauber nicht allein in seiner Grösse. Deshalb kooperieren die Hinwiler Ingenieure bei der Entwicklung und Herstellung eines neuen Formel 1-Renners, der aus rund 5.000 Einzelteilen besteht, längst nicht nur mit den Fachkollegen von Alfa Romeo und Ferrari. Auch einige kleinere Geschäftspartner aus der Region erfüllen die hohen Ansprüche an Flexibilität, Zuverlässigkeit, Spitzenqualität und Schnelligkeit, die der Hinwiler Rennstall stellt.

Maximale Qualität und Umsetzungsgeschwindigkeit dank ausgewählten Zulieferern

„Unser Netzwerk aus ausgewählten Zulieferern, die in der Umgebung ansässig sind, funktioniert wie ein präzises Räderwerk und sorgt seit Jahren für maximale Qualität und Umsetzungsgeschwindigkeit. Im Extremfall bestellen wir noch nach Feierabend ein Bauteil und können es dann schon am nächsten Morgen in unserer Montagehalle einsetzen“, so Kruse. Oft reiche die Übermittlung einer Konstruktionsdatei, die dann per 3-D-Druck über Nacht zum fertigen Produkt wird. Grundsätzlich stelle man allerdings möglichst viel in der eigenen Rennsport-Fabrik her, die sicherheitsrelevanten Bauteile wie die Aufhängung, das Cockpit, die Lenksäule oder auch die Bremspedale werden sogar zu 100 Prozent intern gefertigt.

Windkanal Hinwil: Aus Gegenwind wird Rückenwind

Obwohl das Alfa Romeo Sauber F1 Team eines der letzten reinen Privatteams in der Formel 1 ist, suchen die Schweizer den Erfolg ganz bewusst nicht als sogenanntes Satellitenteam, das meist komplett von einem etablierten Konzern-Rennstall abhängig ist. Vielmehr wird beim Wettbewerb mit den grossen Konzernteams auf eigene Kompetenz und Expertise gesetzt. Ein Herzstück dieser Strategie ist der Windkanal in Hinwil, der zu den weltbesten Einrichtungen in der Formel 1 gehört. Hier testen die Aerodynamik-Experten von Sauber die Ergebnisse der Simulationen, die auf den unternehmenseigenen Hochleistungsrechnern mit rund 5.800 Prozessoren entstanden sind, und gleichen sie bei Windgeschwindigkeiten von 300 Km/h modellhaft mit der Realität ab. Ziel ist es, durch millimetergenaue Positionierung der Front- und Heckflügel einen möglichst hohen Anpressdruck bei minimalem Luftwiderstand zu erzielen, also maximale Spitzengeschwindigkeiten und hohe Beschleunigungswerte mit optimalen Kurvengeschwindigkeiten und kürzesten Bremswegen in Einklang zu bringen. 

Unter den extremen Rennbedingungen kann es etwa bei Kurveneinfahrten entscheidend sein, ob der Fahrer einige Zehntelsekunden später als sein Gegner auf die Bremse treten kann. Dabei sorgen rund 500 Sensoren, die Einrichtungen in der Antriebseinheit nicht mitgezählt, dafür, dass die Ingenieure an der Rennstrecke praktisch in Echtzeit den jeweiligen Zustand des Fahrzeugs verfolgen können. Beim Sauber-Boliden kommen ultra-leichte und hochfeste Faserverbundwerksstoffe zum Einsatz, die in den hochmodernen Autoklaven der Hinwiler Rennsport-Fabrik „gebacken“ werden. Dabei ist höchste Präzision angesagt: High-Tech-Fertigungsverfahren und Laserscans der Qualitätsingenieure sorgen dafür, dass die Abweichung zwischen den Angaben des CAD-Datensatzes und dem fertigen Produkt, wenn erforderlich, nur wenige Tausendstel Millimeter beträgt.

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Marcus Ericsson und Charles Leclerc sind die Piloten, die die Leistung des neuen Alfa Romeo Sauber-Boliden in der Saison 2018 auf die Rennstrecke bringen. Der 27-jährige Schwede Ericsson geht in sein viertes Jahr bei Sauber, der Monegasse Charles Leclerc debütiert nach seinem letztjährigen Gewinn der Formel-2 Meisterschaft in der Königsklasse des internationalen Motorsports. Leclerc gehört mit gerade einmal 20 Jahren zu den vielversprechendsten Nachwuchsfahrern der Formel 1. Als Talentschmiede ist Sauber ohnehin bekannt: Hier wurden sowohl der siebenfache Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher als auch der Grand-Prix-Sieger Heinz-Harald Frentzen und der FIA-GT-Weltmeister Karl Wendlinger ausgebildet.

Die Sauber Motorsport AG und Interroll kooperieren seit sechs Jahren. Die beiden Unternehmen aus der Schweiz verbinden gemeinsame Werte. Hierzu gehören etwa Geschwindigkeit, Qualität, Zuverlässigkeit und der Wille zu einer kontinuierlichen Verbesserung der eigenen Leistungen. Neben regelmässigen Kommunikationsaktivitäten und Kundenevents gehört auch ein regelmässiger Erfahrungsaustausch zum Innovationsmanagement, zur Prozessoptimierung und zur Effizienzsteigerung zu den Betätigungsfeldern der langjährigen Partner. Viel Erfolg!


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