Die Diskussion um 3PL-Lösungen ist in den letzten Monaten spürbar gewachsen. Welche Chancen, aber auch Herausforderungen, können in diesem Outsourcing-Konzept stecken – gerade angesichts dramatischer Veränderungen in Handel, Transport und Intralogistik?

Das Prinzip, Transport- und Lageraufgaben eines Unternehmens auszulagern und sogenannten Third Party Logistics Providern – kurz: 3PL – zu überlassen, hat viel für sich. Denn diese spezialisierten Logistikdienstleister können die vielfältigen Aufgaben in der Regel schneller, umfassender und unterm Strich auch kostengünstiger abwickeln als ein interner Apparat. Gerade unter dem Aspekt zunehmender Globalisierung, die mittlerweile nahezu alle Branchen und fast jede Betriebsgröße betrifft, bieten vor allem die Big Player internationale Netzwerke, die für ein einzelnes Unternehmen kaum noch zu leisten wären.

Ganz abgesehen von diesen weltweiten Netzen sowie den Einsparungen bei Lagerhaltung und Fuhrpark gibt es ein weiteres Argument, das heute fürs Outsourcing spricht: der zunehmende Zeitdruck bei Lieferungen. Nicht zuletzt durch das Internet ist die Erwartungshaltung auf Kundenseite massiv gestiegen: „Heute bestellt, morgen geliefert" ist mittlerweile nicht nur ein ambitioniertes Versprechen großer Handelsketten, sondern für die meisten Konsumenten eine Selbstverständlichkeit. Dauert es länger, bedeutet das Punkteabzug – und das nicht nur in den Bewertungsforen des sozialen Netzes. Denn zunehmend setzt sich dieser Anspruch auch im B-to-B-Sektor durch, „just-in-time" hat eine neue Wertigkeit bekommen. Versteht sich, dass dieser Wandel einen außerordentlichenAufwand – von der Sortierung und Verteilung bis zur IT – benötigt, der fast nur durch Spezialisten zu bewältigen ist.

Erfolgreiche Partnerschaften mit externen Logistikdienstleistern

Angesichts dieser herausfordernden Rahmenbedingungen ist verständlich, dass die Nachfrage nach 3PL in den Unternehmen weiter wächst. Schon vor zehn Jahren haben CapGemini/Ernst & Young in einer ersten großen Untersuchung zum Thema festgestellt, dass rund 80 Prozent der befragten Unternehmen in den USA, Asien, Europa und Südafrika externe Partner in unterschiedlichem Umfang nutzen, Tendenz steigend. Die „19th Annual Third Party Logistics Study 2015" kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Sowohl die Versender (92 %) als auch die Logistik-Unternehmen (98 %) sehen diese Form der Partnerschaft als erfolgreich an. Mehr als zwei Drittelder Versender (70%) sehen bereits innerhalb eines Jahres Vorzüge und 75% von ihnen sind mit der Geschwindigkeit und der Flexibilität ihrer 3PL-Dienstleister zufrieden – gerade heute ein wettbewerbsentscheidender Faktor. Andere Zahlen bestätigen die Trendbeobachtungen der Insider zu wachsender Konzentration: Über die Hälfte der Befragten (53%) gaben an, dass sie die Zahl ihrer Logistikpartner reduzieren bzw. konsolidieren würden.

Outsourcing: Die Kommissionierung muss stimmen

So erfreulich die Perspektive für die externen Logistiker auch ist, so stark ist zugleich der Innovationsdruck. Denn um die knappen Zeitfenster optimal nutzen zu können, mussauch die Kommissionierung vom Eingang der Waren über das Prüfen, Sortieren, Verteilen bis zur Weiterleitung perfekt abgestimmt sein. Dabei spielt auch die Flexibilität eine entscheidende Rolle, nicht nur wegen der wechselnden Absatzmenge und immer vielfältigeren Sortimenten. Als Geschäftsführer der Interroll Automation GmbH kennt Robert Lugauer die besonderen Herausforderungen der Branche: „Wir sind in einer schnelllebigen Zeit und gerade zum Beispiel bei Textilien laufen auch die Verträge in der Regel zwischen zwei und drei Jahren. Nun ist es klar, für eine hocheffiziente Abwicklung muss ich in ein Materialflusssystem investieren, das sich nicht mit nur einem Kunden über zwei Jahre amortisiert." Es geht also darum, die komplette technische Ausstattung so aufzubauen, dass mehrere unterschiedliche Kunden bedient werden können bzw. auch neue Kundenanforderungen erfüllt werden, falls die Verträge nicht verlängert werden sollten. Das aber bedeutet auch für die Förder- und Sortiertechnik höchste Flexibilität. Sowohl in der Kapazität wie auch in der Sortierfähigkeit verschiedenster Produkte. Spezialist Lugauer sieht noch einen weiteren Trend beim 3PL-Thema: Immer häufiger würden die Anbieter ihre Dienstleistungen über die reine Logistikabwicklung ausdehnen: „Hier wird nicht nur die gesamte Distribution samt IT durchgeführt, dazu gibt es noch Veredelungsprozesse wie spezielle Verpackungen für Aktionen und Ähnliches. Das ist gerade für mittelständische Firmen eine interessante Lösung, um 3PL-Konzepte effizient zu nutzen."

Kein Zweifel, je bedeutsamer die Logistik als Marketinginstrument wird, desto mehr wachsen auch die Aufgaben der Third Party Logistics Provider. Die Möglichkeiten sind da noch lange nicht ausgeschöpft. Das bedeutet aber auch neue Herausforderungen für die technische Ausgestaltung. Das Thema bleibt spannend.

Abonnieren Sie die Interroll Blog News

Diesen Artikel teilen


Kommentar schreiben