Was bedeuten Automatisierung, Robotik oder Künstliche Intelligenz (KI) für die Zukunft der Arbeitswelt? Machen uns in zehn Jahren die Maschinen überflüssig? Beim Stichwort Digitalisierung ist die Angst vor Veränderung zweifellos der falsche Ratgeber. Gefragt sind nüchterne Analysen und der Mut von Unternehmen sowie Mitarbeitern, sich den neuen Herausforderungen zu stellen.

Die Zahlen klingen bedrohlich. So geht etwa eine Studie der University of Oxford davon aus, dass in den kommenden zwei Jahrzehnten 47 Prozent der Beschäftigung automatisiert ablaufen könnte – betroffen sind auch klassische Schreibtischtätigkeiten, etwa von Buchhaltern oder Kreditsachbearbeitern. Laut World Economic Forum (WEF) werden weltweit bisher noch 71 Prozent der Arbeitsstunden von Menschen ausgeführt und 29 Prozent von Maschinen. Dieses Verhältnis könnte sich allerdings schon im Jahr 2025 umkehren: Dann sollen nur noch 48 Prozent der Arbeit von Menschen erledigt werden, 52 Prozent von Maschinen.

Kann moderne Technik neue Arbeit schaffen?

Die Erkenntnis, dass neue Techniken Arbeitsplätze vernichten, ist alt. Schon in den 1930er Jahren warnte der renommierte Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes vor Arbeitslosigkeit, die durch technischen Fortschritt entstehen werde. Seine damalige Einschätzung lautete, dass schon bald eine 15-Stunden-Arbeitswoche vor der Tür stehe. Der Experte lag bekanntlich falsch. Denn neue Techniken haben in der Vergangenheit mehr Arbeitsplätze erschaffen, als sie überflüssig gemacht haben. Beispiel USA: Im Februar 2017 hatten dort rund 146 Millionen Menschen einen Job – das waren 205 Prozent mehr als 1970, als der Computer praktisch unbekannt war. Im selben Zeitraum ist die US-Bevölkerungszahl aber nur um knapp 60 Prozent gestiegen.

Auch eine aktuelle WEF-Studie zur Zukunft der Arbeit rechnet damit, dass die neuen Technologien weltweit rund 58 Millionen zusätzliche Stellen in den kommenden fünf Jahren schaffen werden.

Wie schätzen Experten die Arbeitswelt der Zukunft ein? Interroll hat nachgefragt:

"In Zeiten des permanenten Wandels werden Weiterbildung und lebenslanges Lernen zur Voraussetzung für die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter. Dies ermöglicht es ihnen, sich auf die digitale Revolution einzustellen. Künftige Kompetenzen betreffen vor allem Querschnittsfähigkeiten wie Teamfähigkeit, Analysefähigkeit Kreativität, Leadership, aber auch technische Kompetenzen in den Bereichen Wissenschaft, Technologie, Engineering und Mathematik. Obwohl die Automatisierung als Bedrohung für die Arbeitswelt begriffen wird, sollte jeder Einzelne diese Entwicklung auch als Chance begreifen, um seine emotionale Intelligenz zu stärken und eine wichtige Rolle in den Berufen zu behalten, bei denen es um Kommunikation, Entscheidungsfindung, Verhandlungsfähigkeit und Begleitung geht."

Jessie Pallud, Professorin für Informationssysteme EM Strasbourg Business School, Frankreich

"Als weltweit tätiges Transport- und Logistikunternehmen erleichtern wir den Zugang zu Waren und Fortschritt. Wir nutzen dabei die Digitalisierung und Automatisierung und investieren in neue Technologien. Uns interessiert, wie Technik die Abläufe und die Arbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbessern und unterstützen kann, zum Beispiel durch Begleitroboter oder Augmented Reality. In der Zukunft werden sich Berufe weiter verändern, aber für uns ist klar, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Wir sind mit rund 520.000 Mitarbeitern in 220 Ländern weltweit tätig — Diversität und Vielfalt tragen dabei massgeblich zum Erfolg unseres Unternehmens bei."

Thomas Ogilvie, Vorstand Personal und Corporate Incubations Deutsche Post DHL Group; Deutschland

"Neue Technologien werden insgesamt mehr Arbeitsplätze schaffen, aber einfache und wiederkehrende Tätigkeiten überflüssig machen. Jeder Einzelne wird verstärkt seine persönlichen Fähigkeiten zur Geltung bringen und sich fragen müssen, was ihm Erfüllung im Beruf bedeutet. Um diesen Trend aufzugreifen, müssen Unternehmen die individuellen Talente der Mitarbeiter erkennen – statt nur das Ausführen von Anweisungen zu erwarten. Die vielleicht nie erreichbare Vision zeigt uns eine Zukunft, in der es keinen „schlechten Chef“ mehr gibt und man nicht widerstrebend zur Arbeit geht. Tatsächlich gibt es schon heute viele Unternehmen, die Menschen eigenverantwortlich und selbständig arbeiten lassen."

Bart Friederichs, Geschäftsführer TBWB, Niederlande

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