Fast ein Drittel aller Neugeborenen in Deutschland kommt heute mit einem erhöhten Allergierisiko auf die Welt, in anderen Industriestaaten ist die Quote vergleichbar. Inzwischen sind aber auch zunehmend Schwellenländer betroffen. Mit der vor 25 Jahren eingeführten HA-Technologie, bei der das allergieauslösende Milcheiweiss aufgespalten wird, ist eine nachweisbare Reduzierung des Risikos gelungen, im Säuglings- und Kinderalter an einer atopischen Allergie zu erkranken. Für die Säuglinge, die auf einen Ersatz von Muttermilch angewiesen sind, ist dies eine sichere Alternative. Schon die ersten dieser speziellen HA-Nahrungen wurden bei Nestlé in Biessenhofen hergestellt, dazu kommen heute Instantbreie der Marken Alete und Beba und klinische Trinknahrungen (Clinutren). Die Säuglings- und Kleinkindnahrungen nehmen mehr als 60 Prozent des heutigen Produktionsvolumens ein.

Hygiene in der Logistik von Babynahrung

Sensible Produkte stellen besondere Anforderungen an die Intralogistik


Jährlich liefert Nestlé über 16 Millionen Packungen HA-Nahrung in 80 Länder rund um den Globus aus. Zudem können in einem hoch spezialisierten Aseptik-Zentrum Lebensmittel keimfrei abgefüllt werden. Davon profitieren weitere anspruchsvolle Produkte: Neben den Feinkostsaucen von Thomy wird unter anderem Nescafé Xpress in Biessenhofen hergestellt.

Kindernahrung ist eines der sensibelsten Produkte, sowohl die kleinen Konsumenten wie ihre Eltern erwarten zu Recht höchste Qualität und Sicherheit. Dies stellt auch an die Logistik besondere Anforderungen. Von der Anlieferung der Rohstoffe, über eine externe, lebensmittelrechtliche Kontrolle durch den zuständigen Veterinär, bis zum Verplomben der Container, wird der gesamte Ablauf penibel kontrolliert – und dokumentiert. Ein Prozess, der nicht nur sorgfältige Planung erfordert, sondern ebenso absolute Zuverlässigkeit aller Geräte, Maschinen und Förderanlagen. Denn viele Faktoren beeinflussen den Ablauf.

Logistik erfordert Planung, auch der Hygiene zuliebe


Was dies in der Praxis bedeutet, weiss Stephan Kühn, Leiter Logistik, Services und IT in Biessenhofen, an einem ebenso exotischen wie typischen Beispiel darzustellen: "Nehmen wir einmal an, die Philippinen bestellen für August 2013 2.000 Tonnen HA-Nahrung. Dann gilt es erst einmal zurückzurechnen: eine Woche philippinischer Zoll, sechs Wochen Seefracht, im Hamburger Hafen eine Woche; dazu eine Freigabezeit, in der das Produkt zwar schon fertiggestellt ist, aber die chemischen und biologischen Untersuchungsergebnisse noch nicht vorliegen. Und dazu kommt noch die eigentliche Herstellungszeit, sowie die Vorbestellzeiten der Roh- und Packstoffe." Da auch die eingehenden Rohstoffe erst geprüft und freigegeben werden müssen, sind dafür weitere 20 Tage einzuplanen.

Produktion ohne lange Lagerhaltung


Denn alles wird ausschliesslich frisch und bedarfsorientiert produziert, selbst die Dosen und die Umverpackung. Und natürlich werden auch die Rohstoffe und Rezepturen individuell gewählt, lange Lagerhaltung gibt es nicht. Einmal, damit das Mindesthaltbarkeitsdatum beim Empfänger angesichts des langen Transportwegs nicht zu sehr nahe rückt. Zum anderen aber, weil die lebensmittelrechtlichen Vorgaben in jedem Land unterschiedlich sind. Das bedeutet nicht nur 80 verschiedene Rezepturen für ein Produkt, sondern auch eine äusserst komplizierte interne Abwicklung und Intralogistik. "Stellen Sie sich nur einmal vor, eine Dose HA-Nahrung für den chinesischen Markt würde in Dosen für Japan gefüllt!" Das ist lebensmittelrechtlich absolut untersagt. Die Ware würde nicht angenommen werden, denn die aufgedruckte Beschreibung wäre nicht korrekt.

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