Hermes Fulfilment
Die Intralogistik des riesigen Logistikcenters in Haldensleben erfordert ein komplexes Labyrinth von Förderstrecken.

E-Commerce boomt. Während der stationäre Handel scheinbar stagniert, hat E-Commerce bereits 2013 nach Angaben des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel allein in Deutschland um 22,9 Prozent auf 48,4 Milliarden Euro zugelegt, Tendenz steigend.

Die Otto Group ist weltweit der zweitgrößte Onlinehändler. Kunden können ihre Einkäufe im Online-Shop, über Katalogbestellung oder im Laden tätigen. Service wird groß geschrieben und deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab – vom Einkauf bis hin zur termingerechten Zustellung der Ware beim Kunden. Das Unternehmen der Otto Group Hermes Fulfilment ist dabei für die gesamte Warenlogistik zuständig – nicht nur für die Unternehmen der Otto Group, sondern auch für externe Versandhändler.

Nachhaltige Logistik für mehr Umweltschutz


Da die Ware bis zur Kaufentscheidung nicht bezahlt werden muss, sind die Retourenquoten im Online-Handel speziell in Deutschland extrem hoch. In der Modebranche geht jedes zweite Paket zurück –mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Gerade in Zeiten des Klimawandels ist ein gestiegenes Umweltbewusstsein zu einem wichtigen Faktor des Konsums geworden. Ein effizienter Versand und ein optimales Retourenmanagement sind dabei der Schlüssel zum Erfolg. Die retournierten Artikel müssen zurück transportiert, geprüft und dann wieder neu verpackt werden.

Nachhaltigkeit spielt in der Otto Group seit jeher eine große Rolle. Hermes Fulfilment muss wie alle anderen Konzern-Unternehmen auch bis 2020 eine fünfzigprozentige CO2-Reduktion erreichen. Dafür hat das Unternehmen einen Masterplan für Klimaschutz auf den Weg gebracht. Wirtschaftlicher Erfolg und unternehmerischeVerantwortung gehen dabei Hand in Hand. So sagt Olaf Wallace, Betriebsleiter der Hermes Fulfilment Haldensleben:

Wir haben recht ambitionierte Klimaschutzziele.Das ist eine herausforderndeAufgabe, die wir versuchen, mit Partnernentsprechend zu lösen.

„Wir haben recht ambitionierte Klimaschutzziele. Das ist eine herausfordernde Aufgabe, die wir versuchen, entsprechend mit Partnern zu lösen." Olaf Wallace, Betriebsleiter der Hermes Fulfilment Haldensleben
„Wir haben recht ambitionierte Klimaschutzziele. Das ist eine herausfordernde Aufgabe, die wir versuchen, entsprechend mit Partnern zu lösen." Olaf Wallace, Betriebsleiter der Hermes Fulfilment Haldensleben

Perfekt aufeinander abgestimmte Logistik und Intralogistik


Rund 5.000 Mitarbeiter in insgesamt vierLogistikzentren von Hermes Fulfilment in Deutschland kümmern sich tagtäglich darum, Waren effizient und zeitgerecht zu denKunden zu versenden. Ein Geheimnis des Erfolgs liegt in perfekt aufeinander abgestimmten Abläufen.

Haldensleben in Sachsen-Anhalt ist mitrund 54 Hektar Grundstücksfläche – dies entspricht circa 28 Fußballfeldern – der größte und modernste Standort des Unternehmens. Hier werden im Jahr 300 Millionen Artikel bewegt, 300.000 Warensendungen verlassen pro Tag das Versandzentrum. In zwei Hochregallagern befinden sich rund1,2 Millionen Kartons. Reiht man diese aneinander, ergibt sich eine Strecke von 600 Kilometern – man könnte trockenen Fußes einmal quer durch die Bundesrepublik laufen. Vom Wareneingang bis zum Warenausganglegen alle Artikel eine Förderstrecke von rund 30 Kilometern zurück.

Hier spielen Antriebe eine wichtige Rolle. Denn sie beeinflussen den Energieverbrauch beim Fördern der Artikel. Innerhalb der internen Logistik entfallen bei Anlagen mit hohem Automatisierungsgrad rund 50 Prozent der Energiekosten auf die Bereiche Fördertechnik, Lager und Kommissionierung. Die verbleibenden 50 Prozent werden zu mehr als zwei Drittel für Heizung und Lüftung aufgewendet, rund 15 Prozent für die Beleuchtung. Damit besteht in der internen Logistik ein erhebliches energetisches Optimierungspotenzial.

„Wir haben die Technik mit der Erwartung eingebaut, dass wir Energie sparen. Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass sie sehr leise ist." Michael Schekatz , Leiter Betriebstechnik der Hermes Fulfilment
„Wir haben die Technik mit der Erwartung eingebaut, dass wir Energie sparen. Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass sie sehr leise ist." Michael Schekatz , Leiter Betriebstechnik der Hermes Fulfilment

25 % Energie gespart: Effiziente Intralogistik durch energiesparende Fördertechnik


Im Rahmen eines Energiespar-Programmslöst Hermes Fulfilment herkömmliche 400-Volt-Technik ab und setzt die energiesparende DC-Technologie ein. Ein mit RollerDrive angetriebenes System ist grundsätzlich dezentral aufgebaut. Die Antriebe befinden sich in jedereinzelnen Förderzone. Dadurch lässt sich jede Förderzone individuell zu- oder abschalten. Es kommt nur dann zu einer Bewegung im Fördersystem, wenn Fördergut vorhanden ist. Dabei werden nur dieRollerDrive angetrieben, die für den optimalenDurchfluss der Fördergüter nötigsind. Dies bedeutet ein enormes Potenzial an Energieeinsparung sowie deutliche Lärm- und Verschleißminderung.

Die Steuerungsfamilie ConveyorControl ist eine intelligente Alternative zu hochkomplexer PLC-Programmierung. Die einfache Konfiguration und Verkabelung ermöglicht eine schnelle Installation undumgehende Inbetriebnahme. Die Betriebstechnik rüstet das Versandzentrum Schritt für Schritt bei laufendem Betrieb um. Dafür stehen pro Tag maximal vier Stunden zur Verfügung. Das Ergebnis: Die technische Anlage mit dem konstruktiv durchdachten Bussystem ist gut zu bedienen, auch im Wartungsfall.

Erste Messungen bei Hermes Fulfilment haben eine Energieeinsparung von 25 Prozentdank der Interroll-Antriebstechnologie ergeben. Dementsprechend beeindruckt ist Michael Schekatz, Leiter der Betriebstechnik und verantwortlich für die Nachhaltigkeit:

Wir haben die Technik mit der Erwartung eingebaut, dass wir Energie sparen. Gleichzeitig haben wir beim Testversuch festgestellt, dass sie leise ist. Das ist ein Erfolg, den wir so nicht erwartet haben und der uns begeistert. Außerdem haben wir beobachtet dass die Instandhaltung deutlich einfacher geworden ist. Wir benötigen jetzt keinen Elektriker mehr, jeder andere Mechaniker oder Techniker kann die Rollen tauschen.

Energetisches Umdenken entscheidende Basis für grüne Logistik

Hermes Fulfilment hat schon früh angefangen, sich über den verantwortungsvollen Umgang mit Energie Gedanken zu machen. Bereits 1994 wurde ein Hochregallager in Betrieb genommen, das Bremsenergie zurückspeist. Mittlerweile läuft bei den Regalbediengeräten bereits die zweite Generation von sparsamen Motoren und Steuerungen. Derzeit wird zudem ein Blockkraftheizwerk am Standort Haldensleben gebaut mit dem Ziel, deutlich weniger Strom zu verbrauchen. Die Außenleuchten wurden schon 2008 auf LED umgestellt, und es gibt Pilotprojekte zur Einführung arbeitsplatznaher Beleuchtungen, um so die energieintensive Flächenbeleuchtung in den einzelnen Hallen verringern zu können. Über ein Energiemanagementsystem werden Energieverläufe genau aufgezeichnet und das nicht nur als Gesamtverbrauchszahl, sondern im Tagesverlauf.

Für jedes Projekt wird eine detaillierte Kosten-Nutzung-Rechnung erstellt. Dabei zählen nicht nur die Anfangsinvestitionen, sondern auch die laufenden Betriebskosten. Dabei kann der Return-on-Invest unterschiedlich lang sein. Bei Hermes Fulfilment hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man beim Thema Nachhaltigkeit erst einmal investieren muss.

Durch Technikveränderung alleine erreicht man noch nicht das Maximum an Energieeinsparung. Aber es ist die entscheidende Basis für ein konsequentes energetisches Umdenken. Michael Schekatz:

Energie, die nicht verbraucht wird, ist der beste Einsparpunkt, und energiesparende Systeme, gekoppelt mit vernünftigen tageszeitlichen Nutzungen, sind wahrscheinlich das erfolgreichste Rezept für eine nachhaltige Zukunft.

Und da will Hermes Fulfilment hin.


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