Michael Kuhn, Geschäftsführer der Interroll Kronau GmbH,
Michael Kuhn, Geschäftsführer der Interroll Kronau GmbH, berichtet über Trends, Wachstumstreiber und Herausforderungen bei der Gepäcklogistik auf Flughäfen.

Getrieben durch die steigende Zahl der Flugreisen soll der weltweite Markt rund um Gepäckförderlösungen bis 2021 um jährlich 7,5 Prozent steigen. Ein Gespräch mit Michael Kuhn, Geschäftsführer der Interroll Kronau GmbH, über Trends, Wachstumstreiber und Herausforderungen bei der Gepäcklogistik.

Wie entwickelt sich der Markt für Materialflusslösungen im Flughafenumfeld?

Kuhn: Wir haben wir es hier mit einem attraktiven Wachstumsmarkt zu tun: Neben dem florierenden E-Commerce und einer automatisierten Produktion gehört auch der Flugverkehr zu den wichtigen Wachstumsfeldern der Intralogistik – bei Flugreisen wie auch der Luftfracht. Experten schätzen, dass sich die jährliche Zahl der weltweiten Flugreisen von derzeit über 7 Milliarden in weniger als vierzehn Jahren verdoppeln dürfte. Vor allem in Asien wird dies zum Bau einer Vielzahl von neuen Flughäfen führen. Gleichzeitig müssen in den Industrieländern bestehende Airports erweitert und modernisiert werden, um die rasant wachsende Zahl von Passagieren und Waren zu bewältigen. Für die Anbieter von Materialflusslösungen bietet diese Entwicklung also in den nächsten Jahren interessante Chancen.

Modernisierungen, Erweiterungen, sogar neue Flughäfen: Geht es künftig also in erster Linie nur um die Bewältigung höherer Volumina?

Kuhn: Nein. Neben Kapazitätsanforderungen spielen auch höhere Effizienz, Sicherheit und Komfort eine zentrale Rolle. Nehmen Sie als Beispiel die Bearbeitung des aufgegebenen Gepäcks, das bei größeren Airports über immer längere Strecken transportiert werden muss. Entsprechende Förder-und Verteilanlagen gehören ja seit Jahrzehnten zu den klassischen Infrastrukturen eines Flughafens. Allerdings werden sich die steigenden Volumina, die immer schärferen Sicherheitsstandards und die höheren Komfortansprüche künftig nur noch mit möglichst intelligenten Fördersystemen erfüllen lassen, die auf möglichst sparsame Antriebstechnik setzen. Dies gilt natürlich besonders für Flughäfen mit Drehkreuzfunktion, die einen hohen Transitverkehr zu bewältigen haben. Hier müssen die Gepäckstücke besonders schnell, effizient und zuverlässig zu den jeweiligen Anschlussflügen transportiert werden.

Neben dem florierenden E-Commerce und einer automatisierten Produktion gehört auch der Flugverkehr zu den wichtigen Wachstumsfeldern der Intralogistik – bei Flugreisen wie auch der Luftfracht.

Wodurch müssen sich diese Fördersysteme auszeichnen?

Kuhn: Ein Treiber der technischen Entwicklung sind schärfere Sicherheitsvorschriften, national und international. Das führt zum Beispiel dazu, immer leistungsfähigere Scanner-Technologien in die Fördersysteme zu integrieren. Dies betrifft einerseits den Sicherheitscheck des Handgepäcks, wie etwa die aktuellen Diskussionen um die Mitnahme von Notebooks zeigen. Andererseits geht der Trend beim aufgegebenen Gepäck hin zu integrierten Komplettsystemen, die gleichermaßen Förder- wie Scantechniken umfassen. Bei der Luftfracht, die derzeit laut IATA um rund 11 Prozent wächst, sind entsprechende Entwicklungen zu beobachten.

Und wie beeinflussen Komfortanforderungen die Auslegung der Anlagen?

Kuhn: Durch den harten Wettbewerb unter den Fluggesellschaften und unter den Airports rückt der Kunde noch stärker in den Fokus. Bisher wurden RFID- oder Barcodesysteme, die wir insbesondere aus dem E-Commerce kennen, vor allem als Bestandteil von Automatisierungslösungen gesehen, die die Leistung und Effizienz der Systeme verbessern. Künftig werden die Anwender die anfallenden Daten zudem vermehrt zur Verbesserung des Kundenservice und damit zur Differenzierung vom Wettbewerb nutzen. Einige Fluggesellschaften bieten ihren Passagieren bereits heute die Möglichkeit, die Reise ihres Gepäcks von der Abgabe bis zur Aufnahme am Zielort online nachzuverfolgen. Zudem gehört die Schnelligkeit, mit der der Koffer nach der Ankunft auf dem Gepäckband liegt, zunehmend zum Kundenversprechen der Anbieter.

Nun gehört die Gepäckbearbeitung ja zu den geschäftskritischen Infrastrukturen eines Flughafens und muss eine maximale Verfügbarkeit bieten …

Kuhn: Genau. Der Trend geht auch in diesem Markt hin zu voll automatisierten Lösungen, die sehr hohe Volumina in hoher Geschwindigkeit bewältigen können. Hierdurch steigen natürlich noch einmal die Anforderungen an die Qualität der eingesetzten Systeme und Komponenten, die praktisch im Dauerbetrieb laufen müssen. Außerdem ist bei der Luftfracht durch die stärkere Bepreisung der Frachtgröße eine Entwicklung zu kleineren, schweren Gütern zu beobachten. Dies wird Anbietern entgegen kommen, die besonders hochwertige Lösungen und entsprechende Erfahrungen bieten.

Der Trend geht auch in der Gepäcklogistik hin zu voll automatisierten Lösungen, die sehr hohe Volumina in hoher Geschwindigkeit bewältigen können.

Wie kann man sich als Hersteller dieser Entwicklung stellen?

Kuhn: Einerseits über ein unternehmensweites Qualitätssystem, das konsequent alle Bereiche von der Forschung und Entwicklung über die Produktion bis zum Vertrieb und dem Service umfasst. Ein Beispiel: Qualität und Kundennähe waren für uns wichtige Gründe, um einen eigenen Produktionsstandort für Gurtkurven auch in Europa aufzubauen. Andererseits muss man als Hersteller die Qualität gleichsam in das Konstruktionsprinzip der jeweiligen Produkte integrieren. So läuft etwa eine unserer Gurtkurven bereits seit über 55 Jahren ohne außerplanmäßige Unterbrechungen am Los Angeles International Airport in Kalifornien. Das liegt vor allem an ihrem einzigartigen Konstruktionsprinzip: Durch den formschlüssigen Antrieb, anders als bei traditionellen friktionsgetriebenen Lösungen, entsteht hier nur eine geringe Gurtspannung und auch bei Überlast tritt kein Gurtschlupf auf. Mit diesem Prinzip erreichen sie höchste Zuverlässigkeit und eine extrem lange Lebensdauer – auch in anspruchsvollsten Umgebungen.

Info: Lösungen von Interroll für die Flughafenlogistik

Flughäfen und die Luftfrachtzentren der großen Kurier-, Express- und Paketdienstleister gehören zu wichtigsten Anwendern von Schlüsselprodukten der internationalen Interroll-Gruppe. Zwischen Gepäckaufgabe und -rückgabe werden Trommelmotoren, Förderrollen und Förderer von Interroll eingesetzt, um das Gepäck in Flughäfen auf der ganzen Welt zu bewegen. Zudem werden über 80 Prozent aller Förderbänder und Rollbahnen an Flughafenscannern von Interroll-Trommelmotoren angetrieben. Ende 2016 hat das börsennotierte Schweizer Unternehmen mit der Gründung der Interroll Kronau GmbH in Baden-Württemberg ein europäisches Werk und zugleich regionales Kompetenzzentrum für Gurtkurven in Betrieb genommen. Neben den amerikanischen und asiatischen Produktionsstätten in Cañon City/USA beziehungsweise in Shenzhen/China wird damit nun auch der europäische Markt über eine eigene Produktionsstätte beliefert.

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