24V RollerDrive
Bei Villeroy & Boch wurden die neuen Segmente mit 24V RollerDrive für staudrucklose Förderung teilweise zwischen bestehende, ältere Systeme eingebaut. © Edward Beierle

Interroll hat heute bereits mehr als 120 Sorter zum Einsatz gebracht. Die prägenden Trends für die Logistik – neue Vertriebswege wie E-Commerce oder TV-Shopping sowie Firmen, die ihre eigenen Internetauftritte haben und über diese neuen Medien verkaufen – beeinflussen sicher auch diesen Geschäftsbereich?

Dr. Heinrich Droste, ehemaliger Geschäftsführer der Interroll Automation GmbH: Die Auswirkungen dieser Entwicklung zeigen sich ab 2005 massiv in der Fördertechnik. Einmal haben sich die Warenströme und Warenwege verändert: Produkte wie Textilien, Elektronik usw. werden überwiegend aus Übersee eingeführt, gehen in Zwischenlager und werden von dort aus möglichst automatisch verteilt, sortiert und transportiert. Zugleich werden die Zustellzeiten immer kürzer. Und man will gleichzeitig deutlich mehr Volumen sortieren! Das erfordert zum einen eine hohe Sortierleistung, zum anderen eine sehr hohe Verfügbarkeit.

Förderanlagen für wachsenden Produktmix

Dazu kommt ein wachsender Produktmix. Auf der einen Seite laufen Schuhe, Kleidung im Sortiersystem, dann sind vielleicht 25-kg-Hundefuttersäcke eines Tiernahrungsanbieters abzuwickeln. Müssen bei den Objekt-Dimensionen natürliche Grenzen gesetzt werden?

Spricht man über Sorter, sehen wir die Grenzen häufig an den Endstellen. Geht es nur um Kartons, die stabil sind und feste Verpackungen haben, ist es einfach, 20, 30 ... unterschiedliche Pakete zu sortieren. Ist das Ganze aber mit leichten, kleinen Teilen gemischt, dann können die Endstellen dies so nicht leisten. Die Endstellen entsprechen aber etwa einem Drittel der Gesamtinvestition einer Sortieranlage. Muss ich alles automatisieren?

Die Key Success Factors beim Sortieren sind immer wieder: Verfügbarkeit, Sortiergenauigkeit, Flexibilität.

Wir haben etwa mit einem Partner eine interessante Anlage gebaut, bei der es um sehr kleine Teile geht, die nicht sortierfähig sind und sich auch nicht in der Endstelle ausschleusen lassen. Gleichzeitig laufen dort große, schwere Teile – z. B. Nähmaschinen. Da wird die Ware im Eingangsbereich über ein sogenanntes Put-to-Light-System verdichtet und später in Behältern über den Sorter den Endstellen zugeführt. Das bedeutet natürlich mehr manuellen Aufwand. Doch diese Prozesse kann man technisch unterstützen, etwa mit Leucht- und Zählanzeigen sowie spezieller Bedienerführung.

Es gilt also, den technologischen Kompromiss zu finden, das ist einfach eine simple Investitionsrechnung.

Fördertechnik: Standardisierte Elemente mit flexibler Anpassung

Inwieweit spielen zur Optimierung der Abläufe auch neue Technologien eine Rolle?

Natürlich gibt es auch in Verbindung mit unserer Fördertechnik spezielle Innovationen, etwa Ident-Technologien. Gerade dort gibt es in den letzten drei, vier Jahren entscheidende Neuerungen. Ein Beispiel sind Kameralösungen zum Lesen von Barcodes in unterschiedlichster Form. Wir setzen diese immer mehr ein, häufig auch in Verbindung mit Strichcodelesern. Die Kamera hat dabei natürlich den Vorteil, auch für alle zukünftigen Barcodes flexibel einsetzbar zu sein.

Ebenso sind die modernen Bus-Technologien zu erwähnen. Die Geschwindigkeiten, mit denen Daten übertragen werden können, haben sich mehr als verzehnfacht, vielleicht sogar verhundertfacht.

Dennoch gilt: Wenn man über die Key Success Factors für das Sortieren spricht, dann sind das immer wieder: Verfügbarkeit, Sortiergenauigkeit, Flexibilität.

98,5 % Funktionssicherheit Dafür müssen Sie auf bewährte Elemente zurückgreifen.

Für uns als Hersteller bedeutet dies auch, dass Planung und Engineering immer kurzfristiger geleistet werden müssen. Die Kunst besteht dabei darin, mit weitgehend standardisierten Elementen und einer flexiblen Anpassung eine ganz auf die Kundenanforderung angepasste Lösung zu entwickeln. Darin liegt das Erfolgsgeheimnis.

Alles individuell und von Grund auf neu aufzubauen, das ist unbezahlbar. Und darüber hinaus viel zu risikoreich, denn unsere Kunden erwarten vollkommen zu Recht eine sehr hohe Verfügbarkeit ihrer Gesamtanlage. Die Ausfallwahrscheinlichkeit eines jeden Förderers muss so gering wie möglich sein. Ich nenne mal eine Zahl bei uns: 98,5 Prozent Funktionssicherheit; dafür müssen Sie sehr gut sein und auf vielfach bewährte Elemente zurückgreifen.

Ein Blick in die Glaskugel: Wenn man jetzt das Thema einmal weiter fasst und die Versorgung im urbanen Raum betrachtet? Wie weit kann man da gehen? Wie skalierbar sind diese Anlagen?

Dafür brauche ich keinen Hellseher! Dabei geht es vorrangig um ein schlüssiges Konzept und gar nicht mal so sehr um die eigentliche Fördertechnik. Das sind vor allem logistische Fragestellungen: Wie groß und wie verzweigt muss dieses Netz sein? Braucht es viele Einspeisepunkte? Sollen die Entnahmestellen gleichzeitig Ladepunkte sein? Und wenn ich so viele davon habe, muss ein Bediener dabei sein? Wenn ich über so ein Netzwerk in urbanen Gebieten spreche, muss ich sehr gut und sehr detailliert darüber nachdenken, wie dies realisiert werden soll. Denn ist es nicht bezahlbar, ist es tot. Dauert die Zustellung zu lange, dann ist es auch tot. Und wenn zu viele Verästelungen nötig sind, hat es auch keine Zukunft.

Logistik: Kunden mit einbeziehen

Habe ich dann doch wieder die Filialen, die heute überall geschlossen werden?

Die Frage ist eher, kann ich bereits bestehende „Filialen" nutzen? Etwa Tankstellen oder Paketshops? Der Kunde selber ist durchaus bereit, die „letzte Meile" mitzugehen. An der Tankstelle kommt er ja sowieso vorbei.

Für die maßgeschneiderten Lösungen sprechen Sie mit den Systemintegratoren, aber auch mit deren Kunden?

Wir agieren seit vielen Jahren als neutraler Anbieter von Subsystemen auf dem Markt. Unsere Kunden, die Systemintegratoren, schätzen gerade unsere neutrale Position in diesem Markt, weil wir eben nicht als Wettbewerber auftreten.

Wir lernen sehr viel von unseren Kunden und unseren Endkunden. Andererseits lernen diese auch wieder von uns. Nur durch diese Form der Zusammenarbeit entstehen als Resultat sehr gute Konstruktionen. Auch in der nächsten Phase, beim Testaufbau – in der Regel führen wir einen Testaufbau für Endstellen, Zuführungen und Arbeitsplätze durch – sind alle Beteiligten dabei. Bei solchen komplexen Projekten sollte das Vertrauen immer im Vordergrund stehen.

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