Martin Regnet sprach mit Dr. Ralf Garlichs, Executive Vice President, Head of Products & Technology bei Interroll Group über Fördertechnik 4.0 bei Interroll.

Ist die Fördertechnik 4.0 bei Interroll noch ein Zukunftsthema, oder sind Ihre Produkte bereits mit Industrie-4.0-Lösungen ausgestattet?

Bei uns ist das Zukunftsthema „Fördertechnik 4.0" bereits in der Gegenwart angekommen. Um die Vorteile einer allgegenwärtigen Vernetzung wirklich zu nutzen, muss ein durchgängiger Informationsfluss in den Wertschöpfungsketten gewährleistet werden. Dazu gehört beispielsweise auch, dass Geschäftsprozesse digital abgebildet werden können, so z.B. über SAP. Für uns als Hersteller von Plattformlösungen, die den Materialfluss zwischen Wareneingang und -ausgang ermöglichen, bedeutet dies zunächst, dass wir Systemintegratoren die nötigen Schnittstellen für die Weitergabe der Daten von Sensoren oder von Steuerungen an übergeordnete Verarbeitungssysteme bereitstellen müssen. Daran arbeiten wir und haben heute erste Plug-and-Play-Anschlusslösungen verfügbar.

Ein Beispiel ist unsere MultiControl-Steuerung, eine zertifizierte Netzwerkkarte für PROFINET, EtherNet/IP und EtherCat zur Steuerung der RollerDrive EC310. Mit ein und derselben MultiControl ist es auf einfache Weise möglich, zwischen den verschiedenen Feldbussen umzuschalten. Mit Hilfe der MultiControl werden Sensoren und RollerDrive unmittelbar in die Feldbusebene integriert.

Fördertechnik 4.0: Das "Intelligentmachen" der Produkte


Gleichzeitig entwickeln wir Lösungen, Daten über den Status und die Performance unserer eigenen Produkte durch Sensoren zu erfassen – zum Beispiel für Lösungen, die Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen vorhersehbar machen.

Wie ist die Sicht Interrolls generell, kann man tatsächlich von einer industriellen Revolution sprechen oder handelt es sich doch eher um eine normale Weiterentwicklung der Produkte aufgrund technischer Neuerungen?

Industrie 4.0 wächst quasi als Schnittstelle zwischen Logik und Mechanik.
Industrie 4.0 wächst quasi als Schnittstelle zwischen Logik und Mechanik.

In unserem geschäftlichen Bereich sehen wir die Entwicklung nicht als Disruption, sondern als sich beschleunigende technische Evolution. Industrie 4.0 wächst quasi als Schnittstelle zwischen Logik und Mechanik. Unseren erfolgreichen Weg der Modularität und Qualität über die gesamte Produktpalette hinweg gehen wir ja schon länger. Für uns ist nun das „Intelligentmachen" unserer Produkte eine logische Evolution unserer bestehenden Interroll-Philosophie, die über höchste Qualität und Innovation den Kundennutzen steigert. Um diesen Weg erfolgreich weiter zu gehen, haben wir unser Forschungsbudget für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 nochmals deutlich aufgestockt – einen Großteil davon werden wir für konkrete Projekte im Bereich Fördertechnik 4.0 verwenden.

Optimierung von Effizienz und Produktivität in der Intralogistik


In welchen Bereichen machen sich Neuerungen durch Industrie 4.0 am meisten bemerkbar, geht es schlicht um Vernetzung und die Bereitstellung von Daten oder wirkt sich die Entwicklung auch auf andere Bereiche aus?

Natürlich geht das Thema „Industrie 4.0" über Veränderungen im IT-Bereich hinaus. Es geht vor allem um Prozessveränderungen auf der Basis von Daten, die intelligent ausgewertet werden, um die Effizienz und Produktivität in der Intralogistik zu optimieren. Wir müssen Werkzeuge liefern mit denen unsere Kunden ihre Wertschöpfung im Projektablauf und beim Betrieb von intralogistischen Lösungen verbessern können. In der Smart Logistics der Zukunft werden die Arbeitsabläufe flexibler, komplexer und noch leistungsstärker, die Ansprüche an die Zuverlässigkeit der Lösungen werden also weiter steigen. Diese Entwicklung ist positiv für ein Unternehmen wie Interroll, das mit herausragender Qualität und Leistung punktet.

Allerdings darf man bei allen Diskussionen rund um die Digitalisierung und Automatisierung nicht die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als wichtigste Ressource des Unternehmens aus den Augen verlieren. Nur wem es gelingt, die Menschen auf dem Weg in diese veränderte Welt mitzunehmen, kann das technologische Potential für weiteres Wachstum voll ausschöpfen. Schulungs- und Weiterbildungsprogramme – wie wir sie bei uns etwa in der Interroll Academy durchführen – sind hierfür ein zentraler Baustein.

Welche Vorteile bieten Industrie-4.0-Lösungen den Anwendern von Fördertechnik ganz konkret?


Ein Schlüsselvorteil ist natürlich eine hohe Produktivitätssteigerung beim Durchlauf von Materialien, aber eben auch weniger Stillstand durch eine vorausschauende Optimierung der Wartung. Darüber hinaus lassen sich modular aufgebaute Logistikzentren natürlich auch viel flexibler steuern und nachhaltiger betreiben.

Ebenso lassen sich über eine standardisierte M2M-Kommunikation B2B-Prozesse zwischen zwei oder mehr Kooperationspartnern leicht integrieren – sofern Datenaustausch und Transparenz dort von allen Beteiligten gewünscht sind.

Die Trends der Fördertechnik 4.0


Erwarten Sie, dass sich der Fördertechnik-Markt und die Produkte durch diese Neuerungen grundlegend verändern werden?


Ja, mittel- bis langfristig dürfte es entsprechende Veränderungen geben, die die dynamische Entwicklung der Produktionslogistik weiter vorantreiben. Wir werden verbesserte und ganz neue Lösungen sehen. Service und Beratung der Endkunden werden eine größere Rolle spielen. Allerdings werden verbesserte Effizienz und Nachhaltigkeit weiter die zentralen Anforderungen für die Anwender bleiben. Hinzu kommt auf der Seite der Konsumenten der Wunsch nach höherem Komfort, immer kürzeren Lieferzeiten und nach einer Individualisierung. Diese Trends werden die Fördertechnik 4.0 entscheidend beeinflussen.

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Dr. Ralf Garlichs, Executive Vice President, Head of Products & Technology Interroll Group
Dr. Ralf Garlichs, Executive Vice President, Head of Products & Technology Interroll Group

Dr. Ralf Garlichs studierte Maschinenbau mit Fokus auf Produktentwicklung an der Universität Hannover. Nach seiner Stelle als Head of Production and Logistics bei bei Festo Tooltechnic, arbeitete er für die Winkelmann Group in mehreren Führungspositionen. 2006 kam er zur Interroll Group als Executive Vice President "Drives & Rollers". Seit 2011 ist Ralf Garlichs Executive Vice President Products & Technology und Führungsmitglied der Interroll Group.


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