E-Commerce und die Modebranche: Filialen als automatisierte Distributionszentren
Das Bild oben zeigt das Logistikzentrum der Youngone Corporation, ein multinationaler Bekleidungs- und Sportartikelhersteller aus Südkorea.

Der Handel mit Bekleidung und anderen Modeartikeln gehört zu den am schnellsten wachsenden Segmenten im E-Commerce. Gleichzeitig sorgt die Digitalisierung für einen rasanten Wandel, der etwa für Omnichannel-Strategien maßgeschneiderte Prozesse für den Materialfluss benötigt. Ein Experten-Gespräch mit Benjamin Dietrich, Global Sales Business Manager für E-Commerce & Fashion bei Interroll, über aktuelle Trends in der Modebranche.

Herr Dietrich, warum hat Interroll die Modebranche seit dem letzten Jahr verstärkt in den Blick genommen? Und was hat das Unternehmen der Branche zu bieten?

Benjamin Dietrich: Weil wir den Bereich Fashion – ebenso wie etwa die Reifen- oder Automobilindustrie – als ein neues, wichtiges Wachstumsfeld für unser Unternehmen sehen. Aktuelle Prognosen erwarten, dass der weltweite Umsatz mit Bekleidung von 2018 bis 2022 um jährlich 3,5 bis 4,5 % auf ein weltweites Volumen von 2.500 Milliarden US Dollar (rund 2.100 Mrd. Euro) steigen wird*. Für die Themen, die die Modebranche in Sachen Materialfluss umtreiben, haben wir maßgeschneiderte Prozesslösungen entwickelt. Als weltweit führender Anbieter von plattformbasierten Produkten und Services bieten wir unseren Kunden, also den Systemintegratoren und Anlagenbauern, eine sehr hohe Kompetenz. Unseren Geschäftspartnern helfen wir quasi als Enabler, ihre geschäftlichen Ziele zu erreichen.

Für die Themen, die die Modebranche in Sachen Materialfluss umtreiben, haben wir maßgeschneiderte Prozesslösungen entwickelt.

Wie sieht denn die aktuelle Situation in der Modebranche aus?  

Benjamin Dietrich: Wir erleben aktuell einen Paradigmenwechsel, der den Auftritt und den gesamten Wertschöpfungsprozess der Mode-Industrie betrifft – von der Entstehung der Mode bis hin zum Verkauf. Die Digitalisierung fordert die Branche heraus. Omnichannel Retailing stellt die Fashion Branche vor enorme logistische Herausforderungen. Hierzu haben vor allem die offensiven Vermarktungsstrategien von Online-Handelsplattformen wie Amazon oder Zalando durch ihren hohen Liefer- und Retourenkomfort wesentlich beigetragen. Wie andere Bereiche des Einzelhandels hat dieser Trend zum E-Commerce auch den traditionellen Modehandel gehörig durchgerüttelt. Als Antwort wurde und wird im klassischen Handel massiv in die Umsetzung von Omnichannel-Strategien investiert. Dabei geht es zunehmend nicht nur darum, den eigenen stationären Handel um einen neuen Online-Kanal zu ergänzen, sondern ihn mit den bestehenden Absatzkanälen intelligent zu verknüpfen. Aus intralogistischer Sicht ist dies eine sehr spannende Entwicklung.    

Was heißt das?  

Benjamin Dietrich: Das heißt zunächst, dass der Modehandel seine bestehenden Materialflusslösungen, bei denen bisher die effiziente Bearbeitung von Paletten und Paketen mit manuellen Pick & Pack-Strategien dominierte, flexibler und leistungsstärker auslegen muss. Bisher wurden ja vor allem größere Packungseinheiten von zentralen Lagern in die Filialen und zurück beziehungsweise in eigene Outlet-Verkaufsstellen transportiert. Mit dem E-Commerce, also der direkten Belieferung des Endverbrauchers, ändern sich die Anforderungen an den Materialfluss des Anbieters: Es gilt dann, eine rasch wachsende Zahl von Einzelsendungen in einer immer kürzer werdenden Lieferzeit zu bewältigen, die außerdem zunehmend in Kunststoffbeuteln, sogenannten Polybags, verpackt werden. Dies betrifft übrigens gleichermaßen den Versand wie die Retouren, die in dieser Branche rund 40 bis 50 Prozent des Warenstroms ausmachen können.    

Wie reagieren die Anwender auf diese Herausforderungen?  

Benjamin Dietrich: Nur in den wenigsten Fällen werden neue Großinfrastrukturen aufgebaut, bei denen sich dann die betrieblichen Abläufe in den Lagern und Distributionszentren komplett ändern müssen. Meist reagieren Anwender auf die neuen Leistungsanforderungen durch den E-Commerce, indem sie den Materialfluss schrittweise automatisieren. Dabei stehen dann innovative Lösungen im Fokus, die sich technologisch bereits bewährt haben und die sich sehr einfach in vorhandene Prozesse integrieren lassen. Diese Strategie bietet den Vorteil, die erwünschte Leistungssteigerung zu erreichen, ohne in die Gefahr zu geraten, die eigene Organisation quasi disruptiv zu überfordern. Außerdem lassen sich auf diese Weise die nötigen Investitionen bedarfsgerecht der geschäftlichen Entwicklung anpassen. 

Wie können denn entsprechende Lösungen aussehen?  

Benjamin Dietrich: Das hängt natürlich immer von den Anforderungen des jeweiligen Anwenders ab. Es geht immer darum Prozesse zu optimieren. Wie zum Beispiel entsprechende Lösungen bei Paul & Shark, Youngone oder Ulla Popken, zeigen, eignet sich unsere modular erweiterbare Fördererplattform sehr gut um maßgeschneiderte Prozesslösungen für den Fulfillment- oder den Retourenbereich zu schaffen und hierdurch den Durchsatz deutlich zu steigern. Diese automatisierten und intelligent dezentral gesteuerten Fördersysteme punkten nicht nur durch ihre Modularität und ihre simple Integration, sondern ermöglichen es auch ein breites Artikelspektrum vom Paket bis zum Polybag zu transportieren. Das breite Artikelspektrum, insbesondere das Handling von Polybags, macht auch den Quergurtsorter für den Versandprozess sehr attraktiv.    

Unsere modular erweiterbare Fördererplattform (MCP) eignet sich sehr gut, um maßgeschneiderte Prozesslösungen für den Fulfillment- oder den Retourenbereich zu schaffen und hierdurch den Durchsatz deutlich zu steigern.

Müssen denn bei einer Omnichannel-Strategie der Online-Handel und die stationären Verkaufsstellen immer streng getrennte Absatzkanäle bleiben?  

Benjamin Dietrich: Nein. Einige Anbieter mit einer starken Filialorganisation arbeiten heute mit Hochdruck daran, die Vorteile ihrer Vor-Ort-Präsenz mit den Vorzügen des Online-Shoppings zu verknüpfen. Ein Beispiel sind sogenannte „Click and Collect“-Konzepte, bei denen der Verbraucher seine Ware bequem im Netz bestellt, aber dann einfach im Laden abholt. Oder anprobierte Bekleidungsstücke im Laden nicht mehr an der Kasse, sondern online per Smartphone bezahlt und sie sich dann am selben Tag noch nach Hause liefern lässt. So wird etwa der neue Flagship-Store von Zara in London hinter den Kulissen mit einem automatischen Lager ausgerüstet sein. Die Filiale wird dann quasi zu einem kleinen Distributions- und Auslieferungszentrum für die letzte Meile: Der Kunde gibt einfach einen Code ein und bekommt dann seine Bestellung ohne Zutun des Personals ausgehändigt. Auch dieser Service, der dem Anbieter einen Wettbewerbsvorteil verschaffen soll, lässt sich nur mit einer komplett automatisierten Materialflusslösung realisieren. Intralogistische Kompetenz und die enge Kooperation mit erfahrenen Lösungspartnern wird also auch im Modehandel immer wichtiger.

*Quelle: Mc Kinsey: „The State of Fashion 2018“

Abonnieren Sie die Interroll Blog News

Diesen Artikel teilen


Kommentar schreiben


Kommentare

Eve Hunt

01.02.2019

Good day! This is my first visit to your blog! We are a team of volunteers and starting a new initiative in a community in the same niche. Your blog provided us valuable information to work on. You have done a wonderful job Regards: eve hunt