Zeit wird in der Epoche der Internet-Bestellungen zur wichtigsten Währung. In den USA verspricht Amazon jetzt auch Sonntagslieferungen. © Amazon

Zeit wird in der Epoche der Internet-Bestellungen zur wichtigsten Währung. Einen möglichst kurzen Weg zum Konsumenten beschreiten in den USA Akteure eBay NOW und Großdiscounter Wal-Mart. Schnelle Verfügbarkeit wird zum zentralen Kundenanspruch werden – und zum entscheidenden Verkaufsargument der Anbieter, unabhängig ob online oder stationär.

Es ist noch nicht lange her, da schien die Übernacht-Lieferung der große Fortschritt. Dann baute Amazon große Lagerhäuser – „fulfillment centers" genannt – nahe der großen Städte, um dem Kunden so nah wie möglich zu sein. Dank zig solcher Zentren mit mehreren zehntausend Mitarbeitern kann Amazon in elf Städten der USA „same day delivery" bieten – der wohl wichtigste Aspekt des künftigen Handelsgeschehens.

Die Untersuchung „Future Retail" der PSFK Labs sieht in der „On-Demand"-Lieferung einen entscheidenden Trend:

Geduld mag eine Tugend sein, aber nach der Bestellung einen oder mehrere Arbeitstage warten zu müssen, ist ein arger Stolperstein für die Kundenzufriedenheit.

„Die Konsumenten erwarten, immer und überall shoppen zu können", erklärt denn auch Deborah Sharkey, eine der Vizepräsidenten von eBay, „und sofortige Lieferung ist die logische Fortführung dieser sofortigen Befriedigung."


In den USA, wo Amazon jetzt auch Sonntagslieferungen verspricht, entsteht in den Metropolen bereits ein neuer Beruf: Fahrradkuriere arbeiten mit großen Versendern zusammen und liefern „on demand". Im Augenblick kostet das die Unternehmen noch Geld, doch langfristig erwartet man sich von diesem Modell Erfolg.

Mehrmaliges Anfahren einer Adresse kostet Zeit und Geld. Drohnen und andere Kleinstlieferanten sorgen seit längerem für Gesprächsstoff. © Amazon

Zwar ist die App des On-Demand-Service WunWun mittlerweile abgeschaltet und das Unternehmen verkauft. Die Idee war jedoch deutlich: Nutzer in New York wurde der Zugang zu einem Lieferdienst von unter einer Stunde geboten. Nach dem Download für einen Dollar wurde der Käufer mit dem entsprechenden Lieferanten verbunden. Ist die Ware im Laden verfügbar, erfolgt kostenfreier Versand, sonst fallen 20 Dollar Gebühr an – der Kunde entscheidet. Laut der erwähnten Accenture-Studie waren 2014 etwa ein Viertel der Befragten bereit, für sofortige Lieferung zu bezahlen.

Voraussetzung: Umfassende Lager- und Logistikstrategie mit optimalen Lieferbedingungen


Wer es also schafft, die Lieferung am gleichen Tag für ein weitreichendes Sortiment zu bieten, wird einen enormen Marktvorteil genießen. Dann würden auch jene, die bisher beim umfassenden Onlineeinkauf zögerten, weil sie die Ware sofort wünschen, vom stationären Handel zu diesen Anbietern wechseln.

Doch das Versprechen „on demand" ist nicht so einfach zu erfüllen, denn das setzt nicht nur eine umfassende Lager- und Logistikstrategie, sondern auch optimale Lieferbedingungen voraus. Die letzte Meile ist bekanntlich nicht nur teuer, sie ist auch besonders schwer in den Griff zu bekommen.

Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 2013 war in Mitteleuropa die Diskussion um die Kosten von Paketlieferungen aufgeflammt. Nicht nur verstopfte Straßen und abgelegene Zielorte erschweren die schnelle Lieferung, häufig nimmt niemand die Sendung entgegen. Mehrmaliges Anfahren einer Adresse kostet Zeit und Geld, doch die übliche Benachrichtigung im Briefkasten schafft Frust beim Empfänger. Eine Lösung sind dezentrale Packstationen, an denen die Pakete deponiert und abgeholt werden. Drohnen und andere Kleinstlieferanten sorgen seit längerem für Gesprächsstoff. Wieder andere sehen unterirdische Förderbänder als Lösung der Zukunft.

Wie auch immer sich die Prognosen und Handelsszenarien der Zukunft realisieren werden, für die Logistik wird die Herausforderung der schnellen bzw. noch schnelleren Lieferung weiter wachsen. Sucharita Mulpuru, Handelsanalystin bei Forrester Research, bringt die Entwicklung auf den Punkt:

Eines macht Amazon sehr erfolgreich, es verfügt über die gesamte Wertschöpfungskette. Und Amazon besitzt die letzte Meile und den Moment, der entscheidet. Es ist dieser Moment, wenn das Paket ankommt.

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