Cradle to Cradle Lebenszyklus Produke
Ökologisch, nachhaltig und schadstofffrei, biologisch abbaubar – das Prinzip Cradle-to-cradle steht für eine Philosophie des Ressourcenkreislaufs.

Wir sprachen mit Dr. Michael Braungart, Leiter der EPEA Internationale Umweltforschung GmbH in Hamburg, über Cradle to Cradle (C2C) und die wirtschaftliche Bedeutung dieser Bewegung. Lesen Sie auch Teil 1 des Interviews.

Cradle-to-cradle ist eine Unterstützungskultur. Sie will den Menschen dabei helfen, so zu sein, wie sie sein möchten. So sind denn auch die erfolgreichsten Ergebnisse zurzeit bei niederländischen Unternehmen zu finden. Zum Beispiel beim Büromöbel- Produzenten Ahrend in der Nähe von Eindhoven, der sich seit zehn Jahren in Richtung C2C verändert.

„So hat Ahrend zum Beispiel als Kennfarbe bewusst Schwarz gewählt, denn es gibt kein Grün, das 'grün' ist. Grün ist das Schlimmste aller Pigmente. Wenn Sie die Umwelt schützen wollen, dann kaufen Sie immer einen schwarzen Porsche und keinen grünen! Grün ist zwar extrem stabil, aber wird der entsprechend beschichtete Stahl dann recycelt, werden Dioxine und andere Schadstoffe freigesetzt

Wenn Sie die Umwelt schützen wollen, dann kaufen Sie immer einen schwarzen Porsche und keinen grünen!

Auch andere Hersteller wie Herman Miller oder Steelcase, aber auch Goodbaby, chinesischer Produzent von Kinderbuggys, investieren inzwischen in den Umbau ihrer Programme. Welche Erfolge mit der konsequenten Umsetzung des Konzepts zu erreichen sind, zeigt der holländische Papierproduzent van Houtum, der mit C2C das Hygienepapier quasi neu erfunden hat und damit eines der profitabelsten Unternehmen wurde.

„Dadurch können sie schneller ihre Prozesse verändern und der Kunde sagt: „Ist doch toll, dass die Profit haben, denn dann geht es ja noch schneller voran."

Das bedeutet auch andere Kommunikationsmodelle. So hat van Houtum zum Beispiel in den Sanitärräumen im Flughafen Schiphol kleine Schildchen platziert, auf denen steht: „Bitte waschen Sie die Hände gründlich, wir möchten das Papier zurück." Der Grund ist ebenso simpel wie nachvollziehbar:

„Mit Schmutzwasser getränktes Hygienepapier ist so ziemlich das Schlimmste für die Entsorgung. Mit diesem Hinweis schafft van Houtum dafür ein Bewusstsein beim Konsumenten und erhält jetzt tatsächlich den Rohstoff extrem sauber zurück. Das ist höchst profitabel."

Cradle-to-Cradle als Geschäftsmodell


Dieses Beispiel zeigt zudem, dass C2C mehr ist als nur eine umweltgerechte Produktionsmethode, es ist ein neues Geschäftsmodell, das dem Konsumenten auch entsprechend vermittelt werden muss:

„Hier sagt das Unternehmen: „Hey, guck mal, so weit bin ich schon mit meiner Cradle-to-cradle-Mission, ich habe schon einiges erreicht. Perfekt bin ich natürlich noch nicht, aber das will ich 2020 sein. Und je mehr Du kaufst, desto schneller komm ich voran." Auf diese Weise wird der Kunde mein Freund. Ich mache einen Unternehmensplan und sage: „Da bin ich jetzt und wenn ich wirtschaftlich erfolgreich bin, dann bin ich da in fünf Jahren, und in zehn Jahren kann ich dann schon da und da sein. Aber Du, lieber Kunde, hilf mir dabei!"

So wird der Kunde zum Change-Agent, also zu demjenigen, der dem Unternehmen sagt, er begleite es bewusst und aktiv durch diese Transformation. Er teilt gleichsam das Engagement und fördert es durch seine Wahl und seinen Konsum. Cradle-to-cradle beschränkt sich nicht auf eine veränderte Produktionstechnik, sondern bildet ein neues, umfassendes Geschäftsmodell. Deshalb wird auch gerne von einer zweiten industriellen Revolution gesprochen:

„Darum brauchen wir nicht nur andere Produkte und ein anderes Konsumentenbewusstsein, sondern auch andere Logistiksysteme, andere Distributionssysteme, eine andere Kundenkommunikation als im traditionellen Fall."

Ökologisch, nachhaltig und schadstofffrei, biologisch abbaubar – das Prinzip Cradle-to-cradle steht für eine Philosophie des Ressourcenkreislaufs. Schon bei der Produktion soll die problemlose Rückführung der Rohstoffe eingeplant werden. Mit innovativen Herstellungsverfahren und einem neuen Bewusstsein lassen sich bereits Produkte herstellen, deren Bestandteile nicht nur für den Menschen, sondern auch für die Umwelt unbedenklich sind. Und das auf einer durchaus wirtschaftlichen Basis.

 The Upcycle: Beyond Sustainability – Designing for Abundance

Im lange erwarteten Nachfolger des Cradle-to-cradle-Manifests geht es den Autoren um den nächsten Schritt aus der ökologischen Krise. Wir wiederverwenden die Ressourcen nicht nur mit größerer Effektivität, wir verbessern sie dabei auch noch. Eine inspirierende Tour durch die nächste industrielle Revolution.

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