Volker Pyrtek, Chief Executive Officer BuyIn
Volker Pyrtek, Chief Executive Officer BuyIn

BuyIn agiert für zwei grosse Marktteilnehmer derselben Branche! Eigentümer des 2011 gegründeten Beschaffungs-Joint-Ventures sind zu je 50 Prozent die Deutsche Telekom und Orange (ehemals France Télécom).

Die beiden Gesellschafter bündeln darin ein Einkaufsvolumen von insgesamt 28 Milliarden Euro und agieren in den vier Bereichen Netzwerk-Technologie, Geräte für Endkunden, Digital Home und Service Platforms sowie IT. Einzigartig hierbei ist, dass BuyIn für zwei unterschiedliche Unternehmen derselben Branche arbeitet. Volker Pyrtek, der zuvor den Einkauf bei der Deutschen Telekom leitete, hat als Geschäftsführer die Verantwortung über 370 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Herr Pyrtek, wie ist dieses Konsortium entstanden, und wer hatte die Idee? Wie muss man sich so eine Anbahnung konkret vorstellen? Und warum ausgerechnet Orange und die Deutsche Telekom?

Orange und die Deutsche Telekom haben schon vor der Gründung von BuyIn in einigen Bereichen zusammengearbeitet, zum Beispiel in Polen, wo wir Netzwerke miteinander teilen. Beide Unternehmen haben quasi keine Überlappungen in ihren Märkten, so dass wir keine direkten Wettbewerber sind. Dadurch gibt es nur sehr geringes Konfliktpotenzial. Die Chief Technology Officers beider Konzerne hatten ein gutes Verhältnis, was dazu beigetragen hat, das Joint Venture zu gründen. Die strategische Beschaffung der direkten Materialien und Waren auszulagern, hat enorme Auswirkung. Daher hat die Vorbereitung des Joint Ventures ein Jahr gedauert. Alle Verhandlungen waren sehr geheim und haben jeweils auf neutralem Boden stattgefunden.

BuyIn: Gründung brachte Notwendigkeit zur Veränderung


BuyIn wurde 2011 gegründet, welche Zwischenbilanz würden Sie heute ziehen?

Die Gründung von BuyIn war natürlich ein sehr komplexer, aber dennoch wichtiger strategischer Schritt. Wir bewegen uns in einem Markt, der sich in den letzten Jahren sehr konsolidiert hat. Die Notwendigkeit zur Veränderung ging sehr weit, zum Beispiel mussten wir Geräte für die Kunden standardisieren. Durch BuyIn ist es uns gelungen, die Deutsche Telekom und Orange im Bereich des Einkaufs noch wettbewerbsfähiger zu machen, indem das größere Einkaufsvolumen es uns erlaubt, nachhaltige Einsparungen zu erzielen.

Wer trifft in dem Konsortium die Entscheidungen, besonders bei Interessenkonflikten?

In der Beschaffung suchen wir normalerweise nach einem Konsens. Bei Einkaufsentscheidungen haben immer verschiedene Abteilungen unterschiedliche Interessen. Da spielen Bedürfnisse aus den Bereichen Technologie, Marketing, Entwicklung oder Finanzen eine Rolle. Von daher müssen Einkaufsleiter sowieso immer die diversen Anforderungen abwägen. In unserem Joint Venture sind das eben doppelt so viele wie normalerweise. Nach vier Jahren sehe ich diesen Prozess immer noch als Bereicherung.

Kommen etwa gleich viele Mitarbeiter von der Deutschen Telekom wie von Orange? Gelingt es Ihnen selbst immer, neutral zu sein, oder tendiert man doch gelegentlich dazu, die Interessen des Herkunftsunternehmens stärker zu gewichten?

Ich komme von der Deutschen Telekom, aber ich lebe seit vier Jahren in Paris und fühle mich Orange auch sehr nah. Ich bin also bei beiden voll integriert. Wenn es mal Konfliktsituationen gibt, wie sie in jeder guten Beziehung vorkommen, sehe ich meine Rolle darin, beiden Parteien ein guter Berater zu sein.

BuyIn: dynamisch, aufgeschlossen, international, multikulturell und kollaborativ


BuyIn hat mehr als 370 Mitarbeiter, von denen etwa ein Drittel von der Deutschen Telekom, ein Drittel von Orange und ein Drittel «von außerhalb» kommen. Gewinn oder Gefahr?

Es sind 25 unterschiedliche Nationalitäten vertreten, dadurch haben wir eine sehr heterogene Kultur, was in meinen Augen eine grosse Stärke ist. Trotzdem fühlen viele sich noch ihren Mutterfirmen sehr verbunden, was uns im täglichen Geschäft hilft. Die Balance, die wir hier geschaffen haben, ist wichtig.

Bei einer Mitarbeiterbefragung wurde unsere Kultur bei BuyIn beschrieben als: dynamisch, aufgeschlossen, international, multikulturell und kollaborativ. Das trifft es gut.

Gibt es bei den Partnern noch einen Einkauf, der nicht BuyIn untersteht?

Ja, es gibt lokale Einkaufsbereiche, in denen wir kaum Vorteile erwirtschaften können. Die verblieben bei den Landesgesellschaften.

Bei der Zusammenarbeit zwischen Franzosen und Deutschen gibt es sicher kulturelle Unterschiede. Wie managen Sie diese?

Wie ich schon sagte, sehe ich es als Bereicherung an, dass wir kulturell heterogen sind, aber nur, wenn man es schafft, miteinander zu arbeiten, ohne sich zu sehr anzupassen, also Teile der eigenen Kultur aufzugeben. Darin liegt die größte Herausforderung. Wir haben spezielle deutsch-französische Pflichtfortbildungen für alle Mitarbeiter initiiert, um besser zu verstehen wie die anderen «ticken». Die hat das Management-Team sehr gewissenhaft ausgewählt. Wir haben dazu mit dem Experten Jacques Pateau zusammengearbeitet, der mehrere Jahrzehnte Erfahrung auf dem Gebiet hat und uns immens unterstützt hat.

Keine direkten Mitbewerber, Richtlinien regeln Austausch


Sie sind gleichzeitig verbündet und trotzdem Wettbewerber. Gibt es Länder oder Fälle, in denen es einen Konflikt oder Wettbewerb gibt? Wie lösen Sie das?

Einer der Gründe für den Erfolg von BuyIn ist, dass Orange und die Deutsche Telekom praktisch keine direkten Wettbewerber sind. Im Gegenteil, unsere Portfolios ergänzen sich eigentlich eher. Es gibt nur drei Märkte, in denen beide Unternehmen miteinander konkurrieren.

In diesen Ländern sind die technische Infrastruktur und die Kundenwünsche im Hinblick auf die Endgeräte ziemlich ähnlich. Was diese Märkte betrifft, haben wir Richtlinien, die den Austausch untereinander regeln, und alles ist streng vertraulich.

Wie haben die Lieferanten auf das Joint Venture reagiert? Ist der Preisdruck für die Lieferanten grösser als vorher?

Wir sind zwar gross, aber nicht so gross, dass wir eine marktkontrollierende Position hätten. Wir können daher keine Preise diktieren. Aber natürlich ist unser Einfluss auf die Preise jetzt grösser als vorher, und wo die Partner früher unterschiedliche Preise bezahlt haben, wurden die Differenzen eliminiert.

Gibt es auch Vorteile für Ihre Lieferanten?

Natürlich! Ihre Verkaufsplattform ist jetzt doppelt so gross. Wenn ein Zulieferer sich für die Belieferung des einen Konzerns qualifiziert hat, stehen ihm die Türen des anderen Partners automatisch offen.

Ist geplant, das Joint Venture um weitere Player zu erweitern, oder ist die Konstellation fix?

Beide Anteilseigner verfolgen eine Strategie des Wachstums. In dieser Hinsicht könnte ich mir eine Vergrößerung von BuyIn schon vorstellen.

Einkaufsallianzen sind Trend in der Telekommunikationsbranche


Wird das Konzept in der Telekommunikationsbranche nach Ihrer Einschätzung Schule machen? Werden sich noch andere Telekommunikationsanbieter in der Beschaffung zusammenschließen? Was würde das bedeuten?

Rund um die grossen Telekommunikationsanbieter gibt es neben BuyIn bereits weitere Einkaufsallianzen: Die Vodafone Procurement Company, Telefónica Alliance oder die BIG Group von Softbank und Sprint. In der Konsequenz versuchen immer mehr der kleineren Anbieter, sich mit diesen Allianzen zu verbünden.

Ist das Konzept auch für andere Branchen interessant? Wer könnte davon profitieren?


Natürlich gibt es auch in anderen Branchen bereits solche Allianzen, zum Beispiel in der Automobilbranche zwischen General Motors und Peugeot oder in der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Dort liegt der Fokus aber meistens eher auf den indirekten Materialien.

Mögliche Beschaffungsallianzen für direkte Fertigungsmaterialien scheitern meiner Meinung nach an den Marktüberschneidungen auf der Kundenseite. Damit eine Allianz wie die unsere funktioniert, braucht es ein hohes Potenzial für Synergien, es darf aber auf Kundenseite kein oder nur ganz geringer Wettbewerb bestehen.

Wie sieht die Telekommunikationsbranche im Moment aus? Was hat sich in den letzten Jahren verändert, wohin wird sie sich bewegen?

Wir befinden uns im Moment unter grossem Druck von Anbietern, die ähnliche Leistungen zum Beispiel über das Internet anbieten und dabei so gut wie gar nicht reguliert werden. Auf der anderen Seite gibt es einen schier unstillbaren Hunger nach guter Kommunikation und Bandbreite. Das Internet of Things wird in der Zukunft alles und jeden miteinander vernetzen. Seit 2015 wachsen die Deutsche Telekom und Orange wieder, daher sehe ich positiv in die Zukunft.

Stichwort Internet of Things: Welche generellen Trends sehen Sie aus Sicht der Telekommunikation?

Wie bereits gesagt: Alles wird miteinander vernetzt sein. Auf dieser Basis entstehen viele neue Geschäftsmöglichkeiten für etablierte Unternehmen, aber auch für neue Marktteilnehmer. Aus meiner Sicht ist Europa auf einem guten Weg, aber man müsste noch mehr kooperieren und schneller agieren, denn im Internet der Dinge werden Skaleneffekte und Netzwerke über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Hier haben wir gegenüber Amerika und China einen Rückstand aufzuholen.

Dieses Interview erschien erstmals im Februar 2016 in dem Interroll Magazin 'moving' 

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Die Gründung von BuyIn im Oktober 2011 war ein komplexer aber strategischer Schritt in einem stark umkämpften Markt mit hohen Wachstumsraten in den Bereichen Smartphones und Band breite, kleiner werdenden Margen, grossen technischen Herausforderungen und einer starken, konsolidierten Zuliefererbasis.


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